Gruppen-Fallsupervision
Fälle gemeinsam reflektieren – unterschiedliche Perspektiven nutzen
Manchmal ist es ein einzelner Fall, der beschäftigt.
Vielleicht kommen Sie trotz unterschiedlicher Versuche nicht weiter. Eine Situation entwickelt sich anders als erwartet. Sie fühlen sich ungewöhnlich stark verantwortlich, ärgerlich, hilflos oder verunsichert. Oder Sie möchten Ihr Vorgehen einfach mit anderen Fachpersonen reflektieren und neue Perspektiven kennenlernen.
In der Gruppen-Fallsupervision wird aus einer einzelnen beruflichen Fragestellung ein gemeinsamer Reflexionsprozess.
Die unterschiedlichen Erfahrungen, Wahrnehmungen und Ideen der Teilnehmenden werden dabei zu einer besonderen Ressource.
Was ist Gruppen-Fallsupervision?
In der Gruppen-Fallsupervision bringen die Teilnehmenden konkrete Fälle oder Situationen aus ihrem beruflichen Alltag ein.
Das können beispielsweise therapeutische oder beraterische Prozesse, schwierige Gesprächssituationen, komplexe Fallverläufe, institutionelle Fragestellungen oder Situationen sein, in denen die eigene professionelle Rolle unklar geworden ist.
Gemeinsam betrachten wir den Fall aus unterschiedlichen Perspektiven.
Dabei geht es nicht darum, möglichst schnell eine vermeintlich richtige Lösung zu finden.
Vielmehr entsteht Raum für Fragen wie:
Was sehen die anderen, was ich selbst vielleicht gerade nicht sehen kann?
Welche Wechselwirkungen könnten eine Rolle spielen?
Welche unterschiedlichen Erklärungen sind möglich?
Was löst der Fall bei mir und bei den anderen aus?
Welche Ressourcen wurden bisher vielleicht noch nicht wahrgenommen?
Welche neuen Handlungsmöglichkeiten ergeben sich daraus?
Die Gruppe als Ressource
Das Besondere an Gruppen-Fallsupervision ist die Vielfalt der Perspektiven.
Ein und dieselbe Situation kann von verschiedenen Menschen sehr unterschiedlich wahrgenommen werden.
Was eine Person sofort bemerkt, übersieht eine andere möglicherweise – und umgekehrt.
Diese Mehrperspektivität kann helfen, festgefahrene Sichtweisen zu erweitern und neue Ideen entstehen zu lassen.
Dabei muss nicht jeder Impuls „passen“.
Die fallgebende Person entscheidet selbst, welche Gedanken, Rückmeldungen oder Anregungen für sie hilfreich sind.
Nicht nur der Fall – auch die eigene Resonanz
In der Fallarbeit interessiert mich nicht ausschließlich, was bei der Klientin, dem Klienten, der Patientin, dem Patienten oder einer anderen beteiligten Person geschieht.
Auch die eigene Reaktion kann wichtige Hinweise geben.
Was macht dieser Fall mit mir?
Wo fühle ich mich besonders verantwortlich?
Wo werde ich ungeduldig?
Wo möchte ich unbedingt helfen?
Wo ziehe ich mich zurück?
Was fällt vielleicht auch den anderen Teilnehmenden auf, wenn sie den Fall hören?
Solche Resonanzen können wertvolle Informationen über die Dynamik einer beruflichen Situation enthalten.
Sie werden nicht bewertet, sondern gemeinsam reflektiert.
Unterschiedliche Methoden der Fallarbeit
Fallsupervision muss nicht ausschließlich aus einer Fallschilderung und anschließendem Gespräch bestehen.
Je nach Fragestellung können wir mit unterschiedlichen supervisorischen Zugängen arbeiten.
Dazu gehören beispielsweise:
- Perspektivwechsel
- zirkuläre und systemische Fragen
- Visualisierungen
- Arbeit mit Figuren
- aufstellende Elemente
- Metaphern und innere Bilder
- Reflexion von Rollen und Aufträgen
- Resonanzarbeit
- kollegiale Rückmeldungen
Auch kurze fachliche oder theoretische Impulse können einfließen, wenn sie für den jeweiligen Fall hilfreich sind.
Die Methode richtet sich dabei nach dem Anliegen und der Gruppe.
Qualität professioneller Arbeit sichern und weiterentwickeln
Gruppen-Fallsupervision bietet die Möglichkeit, die eigene Arbeit regelmäßig mit professionellem Abstand zu betrachten.
Sie kann dazu beitragen,
- komplexe Fälle besser zu verstehen,
- die eigene professionelle Rolle zu klären,
- neue Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln,
- unterschiedliche fachliche Perspektiven kennenzulernen,
- die eigene Wahrnehmung zu erweitern,
- Unsicherheiten offen anzusprechen,
- voneinander und miteinander zu lernen,
- persönliche Entlastung und Psychohygiene zu unterstützen.
Damit dient Fallsupervision sowohl der Qualitätssicherung als auch der professionellen Weiterentwicklung.
Ein geschützter und wertschätzender Rahmen
Damit Menschen offen über schwierige berufliche Situationen sprechen können, braucht es Vertrauen.
Ein respektvoller Umgang, Vertraulichkeit und Wertschätzung sind deshalb für mich grundlegende Voraussetzungen der gemeinsamen Arbeit.
Auch Unsicherheiten, Fehler oder Situationen, in denen man selbst nicht weiterweiß, dürfen ihren Platz haben.
Supervision ist kein Prüfungsraum.
Sie soll ermöglichen, offen hinzuschauen, ohne sich rechtfertigen oder perfekt sein zu müssen.
Für wen eignet sich Gruppen-Fallsupervision?
Gruppen-Fallsupervision eignet sich insbesondere für Fachpersonen, die mit Menschen arbeiten und ihre berufliche Praxis regelmäßig reflektieren möchten.
Dazu können beispielsweise Menschen aus
- Psychotherapie und Beratung
- psychosozialen und sozialen Arbeitsfeldern
- Pädagogik
- Medizin und Gesundheitswesen
- Hebammenarbeit
- Coaching
- anderen beratenden und begleitenden Berufen
gehören.
Eine Gruppe kann aus Kolleg*innen derselben Einrichtung bestehen oder aus Fachpersonen, die nicht unmittelbar miteinander zusammenarbeiten.
Gruppen-Fallsupervision und Teamsupervision – was ist der Unterschied?
Beides kann miteinander verbunden sein, hat aber einen unterschiedlichen Fokus.
Bei der Gruppen-Fallsupervision steht zunächst die berufliche Arbeit mit einem Fall oder einer konkreten Situation im Mittelpunkt.
Bei der Teamsupervision wird stärker das Team selbst betrachtet: seine Zusammenarbeit, Rollen, Kommunikation, Konflikte und die Bedingungen innerhalb der Organisation.
Findet Fallsupervision in einem bestehenden Team statt, können sich beide Ebenen manchmal berühren.
Dann kann es sinnvoll sein, gemeinsam zu klären:
Arbeiten wir gerade am Fall – oder ist etwas innerhalb des Teams selbst zum Thema geworden?
Ein Wechsel zwischen Fall- und Teamsupervision ist möglich und wird transparent miteinander vereinbart.
Gemeinsam mehr sehen
Wer einen Fall selbst begleitet, kennt ihn besonders gut.
Gerade deshalb kann es schwierig sein, noch ganz andere Möglichkeiten wahrzunehmen.
Eine Gruppe bringt zusätzliche Augen, Ohren, Erfahrungen und Perspektiven mit.
Nicht um der fallgebenden Person zu erklären, was sie hätte anders machen müssen.
Sondern um gemeinsam etwas zu entdecken, das aus einer einzelnen Perspektive vielleicht noch nicht sichtbar war.
Gruppen-Fallsupervision schafft einen Raum, in dem aus unterschiedlichen Sichtweisen neue professionelle Handlungsmöglichkeiten entstehen können.
Termine und Fragen unter 0176-46160104
