Familientherapie
Familien gemeinsam verstehen
Familien sind lebendige Systeme, in denen Menschen miteinander verbunden sind und sich gegenseitig beeinflussen. Wenn sich bei einem Familienmitglied etwas verändert, kann sich dies auch auf andere auswirken. Gleichzeitig können Beziehungen und das familiäre Umfeld wichtige Ressourcen für Veränderungen sein.
Die systemische Familientherapie richtet den Blick deshalb nicht ausschließlich auf eine einzelne Person oder ein einzelnes Problem. Gemeinsam schauen wir auch auf Beziehungen, unterschiedliche Sichtweisen, wiederkehrende Muster und die Lebensbedingungen, unter denen Schwierigkeiten entstanden sind oder fortbestehen.
Dabei geht es nicht darum, herauszufinden, wer schuld ist. Vielmehr interessiert mich, wie die Beteiligten eine Situation erleben, wie sie aufeinander reagieren und was dazu beitragen könnte, wieder mehr Verständnis und neue Handlungsmöglichkeiten entstehen zu lassen.
Beziehungen und Wechselwirkungen
Menschen wirken aufeinander – bewusst und unbewusst. Was ein Familienmitglied erlebt, fühlt oder verändert, kann Auswirkungen auf andere haben. Deren Reaktionen beeinflussen wiederum das Erleben und Verhalten des Einzelnen.
Aus systemischer Sicht interessiert mich deshalb nicht nur ein Symptom oder eine Schwierigkeit für sich allein, sondern auch:
In welchem Zusammenhang tritt etwas auf?
Wann wird es stärker – und wann vielleicht weniger?
Wie erleben die anderen Beteiligten die Situation?
Welche vertrauten Reaktionen wiederholen sich?
Und was könnte sich verändern, wenn an einer Stelle etwas anders wird?
Manche dieser Fragen können zunächst ungewohnt erscheinen. Sie ermöglichen jedoch, eine Situation aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und Zusammenhänge wahrzunehmen, die im Alltag manchmal schwer zu erkennen sind.
Nicht immer muss die ganze Familie dabei sein
Familientherapie bedeutet nicht, dass bei jedem Gespräch die gesamte Familie anwesend sein muss.
Je nach Anliegen kann ich mit der ganzen Familie, mit Eltern und Kindern, einzelnen Familienmitgliedern, Geschwistern oder auch nur mit einer Person arbeiten.
Auch wenn wichtige Bezugspersonen nicht unmittelbar am Gespräch teilnehmen, können ihre Bedeutung, ihre möglichen Perspektiven und die Beziehungen zu ihnen in die therapeutische Arbeit einbezogen werden.
Entscheidend ist nicht, dass möglichst viele Menschen im Raum sitzen, sondern welche Form der Zusammenarbeit für das jeweilige Anliegen hilfreich ist.
Wann kann Familientherapie hilfreich sein?
Anlass für eine Familientherapie können sehr unterschiedliche Situationen sein, beispielsweise:
- wiederkehrende Konflikte innerhalb der Familie,
- Schwierigkeiten zwischen Eltern und Kindern,
- unterschiedliche Bedürfnisse und Erwartungen,
- Veränderungen in der Familie,
- Trennung und Neuorientierung,
- Patchwork- und Stieffamilienkonstellationen,
- Belastungen oder Krisen eines Familienmitglieds, die die ganze Familie betreffen,
- Schwierigkeiten mit Nähe, Distanz und Abgrenzung,
- unterschiedliche Vorstellungen von Erziehung,
- Konflikte zwischen erwachsenen Familienmitgliedern sowie
- der Wunsch, wieder besser miteinander sprechen und einander verstehen zu können.
Auch Übergänge können Familien vor neue Herausforderungen stellen – wenn Kinder selbstständiger werden, ausziehen, neue Partnerinnen oder Partner hinzukommen, Eltern älter werden oder sich Rollen innerhalb einer Familie verändern.
Unterschiedliche Sichtweisen dürfen nebeneinanderstehen
In einer Familie gibt es selten nur eine einzige Sicht auf eine Situation. Was für einen Menschen selbstverständlich erscheint, kann von einem anderen vollkommen anders erlebt werden.
In meiner Arbeit versuche ich deshalb, den unterschiedlichen Perspektiven Raum zu geben und allparteilich zu arbeiten. Es geht nicht darum, festzustellen, wer recht hat, sondern die jeweiligen Erfahrungen, Bedürfnisse und Beweggründe besser zu verstehen.
Gerade dort, wo Gespräche immer wieder in denselben Konflikten enden, kann dieser Perspektivwechsel helfen, einander wieder anders wahrzunehmen.
Veränderung kann an vielen Stellen beginnen
Nicht immer müssen sich alle Beteiligten gleichzeitig verändern.
In einem System kann bereits eine Veränderung an einer Stelle Auswirkungen auf andere Beziehungen und vertraute Abläufe haben. Deshalb kann therapeutische Arbeit auch dann sinnvoll sein, wenn nicht alle Familienmitglieder teilnehmen möchten oder können.
Ziel ist nicht, eine Familie nach einer bestimmten Vorstellung zu verändern. Vielmehr geht es darum, festgefahrene Muster wieder beweglicher zu machen, vorhandene Ressourcen zu entdecken und neue Formen des Miteinanders zu ermöglichen.
Termine und Fragen unter 0176-46160104





