Systemische Therapie
Den Menschen im Zusammenhang verstehen
Menschen leben nicht für sich allein. Wir sind eingebunden in Beziehungen, Familien, Partnerschaften, Freundschaften, berufliche Zusammenhänge und unsere persönliche Lebensgeschichte.
Was wir erleben, wie wir fühlen und wie wir handeln, entsteht deshalb nicht unabhängig von unserem Umfeld.
Die Systemische Therapie richtet den Blick nicht ausschließlich auf ein Problem oder ein einzelnes Symptom. Sie interessiert sich dafür, in welchen Zusammenhängen etwas entstanden ist, welche Wechselwirkungen eine Rolle spielen und was Veränderung ermöglichen kann.
Dabei geht es nicht darum, Schuldige zu suchen.
Es geht darum, Zusammenhänge besser zu verstehen – und dadurch neue Möglichkeiten zu entdecken.
Was bedeutet „systemisch“?
Systemisch zu arbeiten bedeutet für mich, einen Menschen nicht auf eine Schwierigkeit oder Diagnose zu reduzieren.
Gemeinsam betrachten wir beispielsweise:
- Was beschäftigt oder belastet Sie gerade?
- In welchen Situationen tritt eine Schwierigkeit besonders auf?
- Wann ist sie weniger stark oder vielleicht sogar ganz verschwunden?
- Welche Beziehungen und Lebensbedingungen spielen eine Rolle?
- Welche bisherigen Erfahrungen beeinflussen Ihr heutiges Erleben?
- Welche Erwartungen haben Sie an sich selbst – und welche erleben Sie von anderen?
- Was haben Sie bereits versucht?
- Was hat Ihnen früher geholfen?
- Welche Fähigkeiten und Ressourcen stehen Ihnen zur Verfügung?
- Und was könnte ein nächster stimmiger Schritt sein?
Manchmal verändert bereits eine andere Perspektive den Blick auf eine scheinbar festgefahrene Situation.
Beziehungen und Wechselwirkungen
Ein wichtiger Gedanke der Systemischen Therapie ist, dass Menschen fortlaufend aufeinander reagieren.
Was ein Mensch tut, beeinflusst andere – und deren Reaktion wirkt wiederum auf ihn zurück.
So können sich mit der Zeit Muster entwickeln, die sich immer wiederholen: in einer Partnerschaft, innerhalb einer Familie, im beruflichen Umfeld oder auch im eigenen Umgang mit bestimmten Situationen.
Ein einfaches Beispiel: Je stärker eine Person versucht, ein Gespräch herbeizuführen, desto mehr zieht sich die andere vielleicht zurück. Je stärker diese sich zurückzieht, desto dringlicher versucht die erste wiederum, Kontakt herzustellen.
Irgendwann erscheint das Verhalten des jeweils anderen als das Problem.
Systemisch betrachtet interessiert mich weniger die Frage:
„Wer hat angefangen?“
Sondern vielmehr:
„Was geschieht zwischen Ihnen – und an welcher Stelle könnte etwas anders werden?“
Unterschiedliche Perspektiven dürfen nebeneinanderstehen
Menschen können dieselbe Situation völlig unterschiedlich erleben.
In einer Familie oder Partnerschaft gibt es deshalb häufig nicht die eine „richtige“ Beschreibung dessen, was geschehen ist. Jeder Mensch erlebt eine Situation aus seiner eigenen Perspektive, geprägt durch Erfahrungen, Bedürfnisse, Erwartungen und Gefühle.
Diese unterschiedlichen Sichtweisen dürfen zunächst nebeneinanderstehen.
Das kann helfen, vertraute Bewertungen zu verlassen und etwas zu erkennen, das vorher vielleicht nicht sichtbar war.
Gerade darin liegt für mich eine wichtige Qualität systemischen Arbeitens: Nicht vorschnell festzulegen, wie etwas „wirklich“ ist, sondern neugierig darauf zu bleiben, welche weiteren Sichtweisen möglich sind.
Nicht nur das Problem betrachten
Wenn Menschen therapeutische Unterstützung suchen, haben sie sich häufig bereits lange und intensiv mit ihrem Problem beschäftigt.
Systemische Therapie interessiert sich deshalb ebenso dafür, was trotz aller Schwierigkeiten funktioniert.
Wann ist das Problem weniger ausgeprägt?
Was machen Sie dann anders?
Wer oder was unterstützt Sie?
Welche Erfahrungen haben Ihnen in anderen schwierigen Situationen geholfen?
Welche Fähigkeiten besitzen Sie vielleicht längst, können im Moment aber nicht gut auf sie zugreifen?
Ressourcenorientierung bedeutet dabei nicht, Belastungen schönzureden oder Schwierigkeiten einfach „positiv zu sehen“.
Es bedeutet, neben dem Problem auch das wahrzunehmen, was trägt, schützt und Veränderung möglich machen kann.
Die eigene Geschichte verstehen
Auch Erfahrungen aus der Vergangenheit und aus der Herkunftsfamilie können in der Systemischen Therapie eine Rolle spielen.
Wir alle wachsen mit bestimmten Vorstellungen darüber auf, wie Beziehungen funktionieren, wie Konflikte ausgetragen werden, wer für wen verantwortlich ist, wie Nähe gezeigt wird oder welche Erwartungen an uns gestellt werden.
Manche dieser Erfahrungen sind hilfreich und tragen uns ein Leben lang. Andere Muster passen irgendwann nicht mehr zu dem Menschen oder dem Leben, das wir heute führen möchten.
Dann kann es sinnvoll sein, genauer hinzuschauen:
Was davon gehört zu meiner Geschichte – und was möchte ich heute anders gestalten?
Dabei geht es nicht darum, Eltern, frühere Partner oder andere Menschen nachträglich verantwortlich zu machen. Ein besseres Verständnis der eigenen Geschichte kann vielmehr helfen, heutige Reaktionen nachvollziehbarer zu machen und neue Entscheidungen zu ermöglichen.
Wie wird in der Systemischen Therapie gearbeitet?
Systemische Therapie ist vor allem eine Therapie des gemeinsamen Entdeckens.
Dabei nutze ich unterschiedliche Fragen und Methoden, um neue Perspektiven und Erfahrungen anzuregen.
Dazu können beispielsweise gehören:
- Fragen nach Unterschieden, Ausnahmen und Ressourcen,
- Perspektivwechsel,
- sogenannte zirkuläre Fragen,
- Arbeit mit inneren Bildern und Metaphern,
- Visualisierungen von Beziehungen und Zusammenhängen,
- Arbeit mit der eigenen Familiengeschichte,
- körper- und wahrnehmungsorientierte Zugänge,
- kleine Experimente oder Beobachtungsaufgaben für den Alltag.
Manchmal kann es hilfreich sein, Beziehungen oder innere Prozesse mit Gegenständen, Symbolen oder Positionen im Raum sichtbar zu machen.
Dabei geht es nicht um eine vorgegebene Deutung, sondern darum, etwas auf eine andere Weise wahrnehmbar zu machen und dadurch neue Gedanken oder Handlungsmöglichkeiten entstehen zu lassen.
Müssen andere Menschen dabei sein?
Nein.
Systemische Therapie hat sich zwar wesentlich aus der Arbeit mit Familien entwickelt, systemisch kann jedoch ebenso mit Einzelpersonen, Paaren und Familien gearbeitet werden.
Auch Menschen, die für Ihr Anliegen wichtig sind, müssen nicht persönlich anwesend sein.
Ihre Beziehungen, unterschiedliche Perspektiven und die Bedeutung, die andere Menschen in Ihrem Leben haben, können trotzdem in die therapeutische Arbeit einbezogen werden.
Je nach Anliegen kann es selbstverständlich auch sinnvoll sein, Partnerinnen oder Partner, Familienmitglieder oder andere wichtige Bezugspersonen zeitweise in Gespräche einzubeziehen.
Wie ich systemisch arbeite
Die Systemische Therapie bildet eine wesentliche Grundlage meiner therapeutischen Arbeit.
Ich bin Systemische Einzel-, Paar- und Familientherapeutin und verbinde systemisches Denken mit hypnosystemischen Ansätzen, Klinischer Hypnose, Transaktionsanalyse, Ego-State-Arbeit, Achtsamkeit und körperorientierten Zugängen.
Dabei verstehe ich Therapie nicht als eine Situation, in der ich Ihnen als Expertin erkläre, wie Sie Ihr Leben führen sollten.
Sie sind Expertin oder Experte für Ihr eigenes Leben, Ihre Erfahrungen und das, was für Sie stimmig ist.
Ich bringe meine therapeutische Erfahrung, meine fachlichen Perspektiven und Methoden ein und begleite Sie dabei, Zusammenhänge zu erkennen, eigene Ressourcen wieder zugänglich zu machen und neue Möglichkeiten zu entwickeln.
Veränderung muss nicht immer groß beginnen
Manchmal entsteht Veränderung nicht durch einen großen Schritt.
Eine andere Frage, ein neuer Blick auf eine vertraute Situation oder eine kleine Veränderung im eigenen Verhalten kann bereits Bewegung in ein bisher festgefahrenes Muster bringen.
Systemische Therapie richtet deshalb den Blick nicht nur darauf, warum etwas so geworden ist, wie es ist.
Mindestens ebenso wichtig ist die Frage:
Was könnte heute einen Unterschied machen?
Termine und Fragen unter 0176-46160104
