Hypnose bei Reizdarm
Wenn der Darm den Alltag bestimmt
Bauchschmerzen, Krämpfe, Durchfall, Verstopfung, Blähungen oder Völlegefühl können das Leben erheblich beeinträchtigen.
Viele Menschen mit einem Reizdarmsyndrom haben bereits zahlreiche Untersuchungen hinter sich. Häufig besteht die Erkrankung schon lange – und irgendwann beginnt sich der Alltag zunehmend danach zu richten:
Wo ist die nächste Toilette?
Kann ich diese Reise machen?
Was kann ich überhaupt noch essen?
Was passiert, wenn die Beschwerden ausgerechnet in einer wichtigen Situation auftreten?
Das kann nicht nur körperlich anstrengend sein. Auch Unsicherheit, Anspannung und die ständige Beobachtung des eigenen Körpers können immer mehr Raum einnehmen.
Hypnotherapie kann bei einem Reizdarmsyndrom eine ergänzende therapeutische Möglichkeit sein.
Reizdarm ist nicht „nur psychisch“
Das Reizdarmsyndrom ist eine anerkannte Erkrankung und keine Einbildung.
Auch wenn bei Untersuchungen häufig keine organische Ursache gefunden wird, die das Ausmaß der Beschwerden vollständig erklärt, sind die Symptome real.
Heute wissen wir, dass Darm und Gehirn über komplexe Nerven-, Hormon- und Signalwege miteinander kommunizieren. Häufig wird dabei von der Darm-Hirn-Achse gesprochen.
Stress, Aufmerksamkeit, Anspannung und emotionale Belastung können das Verdauungssystem beeinflussen. Umgekehrt können anhaltende Darmbeschwerden wiederum Stress, Angst und Unsicherheit verstärken.
So kann ein Kreislauf entstehen, in dem Körper und Nervensystem fortlaufend aufeinander reagieren.
Genau hier setzt die darmgerichtete Hypnotherapie an.
Was bedeutet darmgerichtete Hypnose?
Bei der darmgerichteten Hypnotherapie werden hypnotische Trance, Entspannung, Körperwahrnehmung und individuell passende innere Bilder genutzt.
Dabei kann die Aufmerksamkeit beispielsweise auf Vorstellungen von Ruhe, Rhythmus, Regulierung und einem angenehmeren Erleben des Bauchraums gelenkt werden.
Es geht nicht darum, sich einzureden, dass die Beschwerden nicht vorhanden sind.
Vielmehr kann Hypnose dabei unterstützen, die Wahrnehmung körperlicher Signale und den Umgang mit ihnen zu verändern und die Regulation des Nervensystems zu fördern.
Die verwendeten Bilder und Vorstellungen werden dabei individuell angepasst.
Wenn Angst vor den Beschwerden entsteht
Wer wiederholt plötzlich Durchfall, Schmerzen oder andere intensive Darmbeschwerden erlebt hat, beginnt verständlicherweise häufig, bestimmte Situationen vorauszuplanen.
Manche Menschen verlassen das Haus nur noch, wenn sie genau wissen, wo sich eine Toilette befindet. Reisen, Restaurantbesuche, berufliche Termine oder längere Autofahrten können zunehmend schwierig werden.
Dann kann neben der ursprünglichen Darmproblematik eine weitere Belastung entstehen:
die Angst vor dem nächsten Symptom.
Der Körper wird immer genauer beobachtet.
War da gerade ein Ziehen?
Beginnt der Bauch schon wieder?
Was mache ich, wenn ich hier nicht wegkomme?
Diese Aufmerksamkeit ist verständlich – kann aber selbst zusätzlichen Stress erzeugen.
Hypnosystemische Arbeit kann dabei helfen, solche Kreisläufe wahrzunehmen und wieder mehr Sicherheit und Handlungsspielraum zu entwickeln.
Körper und Psyche gehören zusammen
Bei einem Reizdarmsyndrom interessiert mich deshalb nicht die vereinfachte Frage:
„Ist das körperlich oder psychisch?“
Diese Trennung wird der Erfahrung vieler Betroffener nicht gerecht.
Wir können vielmehr gemeinsam darauf schauen, welche Faktoren in Ihrer persönlichen Situation eine Rolle spielen.
Wann treten Beschwerden besonders häufig auf?
Welche Situationen verschärfen sie?
Was beruhigt?
Welche Rolle spielen Stress, Schlaf oder Anspannung?
Wie gehen Sie mit den ersten körperlichen Signalen um?
Und wie sehr hat sich Ihr Leben inzwischen an den Darm angepasst?
Dabei wird nicht automatisch jedes Symptom psychologisch gedeutet.
Selbsthypnose als Teil der Behandlung
Ein wichtiger Bestandteil kann das Erlernen von Selbsthypnose sein.
Damit können Sie die therapeutische Arbeit zwischen den Sitzungen selbstständig fortsetzen.
Sie lernen, Ihre Aufmerksamkeit gezielt zu lenken und persönliche innere Bilder, Körperwahrnehmungen und Entspannungszustände zu nutzen.
Regelmäßiges Üben spielt bei der darmgerichteten Hypnotherapie eine wichtige Rolle.
Je nach Vorgehen können dabei auch individuell abgestimmte Übungen oder Aufnahmen für zu Hause eingesetzt werden.
So entsteht nach und nach etwas, das Sie selbst anwenden können und das nicht auf unsere gemeinsamen Sitzungen beschränkt bleibt.
Was kann Thema der Begleitung sein?
Je nach persönlicher Situation können wir beispielsweise an folgenden Bereichen arbeiten:
- Umgang mit Bauchschmerzen und Krämpfen
- Durchfall oder Verstopfung
- Blähungen und Völlegefühl
- stressbedingter Verstärkung von Beschwerden
- Angst vor plötzlich auftretenden Symptomen
- ständiger Beobachtung des eigenen Körpers
- Anspannung in Situationen ohne schnell erreichbare Toilette
- Einschränkungen bei Reisen, Arbeit oder sozialen Aktivitäten
- Schlaf und Erholung
- Selbstregulation und Entspannung
- Wiedergewinnung von Vertrauen in den eigenen Körper
Nicht jeder Mensch erlebt ein Reizdarmsyndrom gleich. Deshalb richtet sich auch die therapeutische Arbeit nach Ihrer individuellen Situation.
Wissenschaftlich untersuchtes Verfahren
Die darmgerichtete Hypnotherapie wird seit mehreren Jahrzehnten wissenschaftlich untersucht.
Studien zeigen, dass sie bei einem Teil der Menschen mit Reizdarmsyndrom zu einer Verbesserung von Beschwerden und Lebensqualität beitragen kann. Sie gehört deshalb zu den psychotherapeutischen bzw. psychologischen Verfahren, die bei Reizdarmsyndrom ergänzend eingesetzt werden können.
Dabei handelt es sich nicht um eine einzelne „Hypnose gegen Reizdarm“, sondern in der Regel um einen therapeutischen Prozess mit wiederholten Sitzungen und eigenständigem Üben.
Wie gut eine Behandlung wirkt, ist individuell unterschiedlich.
Medizinische Abklärung gehört dazu
Bevor Beschwerden als Reizdarmsyndrom eingeordnet werden, ist eine angemessene medizinische Diagnostik wichtig.
Neu auftretende, ungewöhnliche oder sich deutlich verändernde Beschwerden sollten ärztlich abgeklärt werden.
Hypnotherapie ersetzt keine gastroenterologische Diagnostik und keine medizinisch notwendige Behandlung.
Auch Ernährung, Medikamente und andere therapeutische Maßnahmen können je nach individueller Situation wichtige Bestandteile der Behandlung sein.
Wieder mehr Freiheit im Alltag
Bei einem Reizdarmsyndrom geht es häufig irgendwann um sehr viel mehr als den Darm.
Es geht darum, wieder spontan etwas unternehmen zu können.
Eine Reise zu planen.
Essen zu gehen.
Einen beruflichen Termin wahrzunehmen, ohne gedanklich ständig beim Bauch zu sein.
Oder dem eigenen Körper wieder etwas mehr zu vertrauen.
Hypnose kann einen Zugang dazu eröffnen, die Wechselwirkung zwischen Aufmerksamkeit, Nervensystem, Körpererleben und innerer Anspannung zu beeinflussen und eigene Möglichkeiten der Selbstregulation zu erweitern.
Nicht mit dem Versprechen, dass der Darm anschließend immer ruhig bleibt.
Sondern mit dem Ziel, dass er vielleicht nicht mehr so sehr bestimmen muss, wie Sie Ihr Leben gestalten.
Termine und Fragen unter 0176-46160104
