Sex- und Pornosucht
Wenn Pornografie oder sexuelles Verhalten zunehmend das Leben bestimmen
Sexualität und Pornografie gehören für viele Menschen selbstverständlich zu ihrem Leben. Wie häufig jemand sexuelle Gedanken hat, masturbiert, Pornografie nutzt oder Sexualität leben möchte, ist individuell sehr unterschiedlich.
Eine ausgeprägte Sexualität oder häufiger Pornografiekonsum bedeutet deshalb nicht automatisch, dass eine „Sucht“ oder psychische Störung vorliegt.
Belastend kann es jedoch werden, wenn das eigene sexuelle Verhalten zunehmend schwer steuerbar erscheint, mehr Zeit und Aufmerksamkeit beansprucht als gewünscht oder trotz negativer Folgen immer wieder fortgesetzt wird.
Vielleicht haben Sie schon mehrfach versucht, etwas zu verändern – und stellen fest, dass Sie immer wieder in dieselben Muster geraten. Vielleicht beeinflusst das Verhalten Ihre Partnerschaft, Ihre Sexualität, Ihren Alltag oder Ihr Selbstwertgefühl.
Dann kann es hilfreich sein, genauer hinzuschauen – ohne Scham und ohne moralische Bewertung.
Wann wird sexuelles Verhalten zum Problem?
Entscheidend ist nicht allein, wie häufig etwas geschieht oder welche sexuellen Wünsche und Fantasien ein Mensch hat.
Wichtiger ist, wie frei und selbstbestimmt Sie sich in Ihrem Verhalten noch erleben.
Mögliche Hinweise darauf, dass Pornografiekonsum oder sexuelles Verhalten belastend geworden sind, können beispielsweise sein:
- Sie verbringen damit mehr Zeit, als Sie eigentlich möchten.
- Sie nehmen sich wiederholt vor, Ihr Verhalten einzuschränken, schaffen es aber nicht oder nur für kurze Zeit.
- Sexuelle Gedanken oder die Suche nach sexuellen Reizen nehmen sehr viel Raum ein.
- Sie nutzen Pornografie oder sexuelles Verhalten zunehmend, um Stress, Einsamkeit, Anspannung oder unangenehme Gefühle zu regulieren.
- Partnerschaft, Beruf, Schlaf oder andere Lebensbereiche leiden darunter.
- Ihre gemeinsam gelebte Sexualität verändert sich auf eine Weise, die Sie oder Ihre Partnerin bzw. Ihren Partner belastet.
- Sie verheimlichen Ihr Verhalten und erleben Schuld- oder Schamgefühle.
- Sie erleben einen zunehmenden Kontrollverlust.
- Sie setzen das Verhalten fort, obwohl Sie die negativen Folgen bereits wahrnehmen.
Nicht jeder einzelne dieser Punkte bedeutet automatisch, dass eine behandlungsbedürftige Störung vorliegt.
Entscheidend sind Ihre persönliche Situation, der erlebte Kontrollverlust, Ihr Leidensdruck und die Auswirkungen auf Ihr Leben.
Pornografie und Sexualität
Digitale sexuelle Inhalte sind heute nahezu jederzeit verfügbar. Sie können sexuelle Fantasien, Gewohnheiten und Erwartungen mitprägen.
Das muss nicht problematisch sein.
Bei manchen Menschen entwickelt sich jedoch eine Form der Nutzung, die zunehmend von der Sexualität mit einer Partnerin oder einem Partner getrennt erlebt wird oder diese beeinflusst.
Manche berichten beispielsweise von Veränderungen der sexuellen Erregung, weniger Interesse an partnerschaftlicher Sexualität, Schwierigkeiten mit Erektion oder Orgasmus oder davon, immer stärkere bzw. wechselnde sexuelle Reize zu suchen.
Solche Schwierigkeiten können jedoch unterschiedliche körperliche, psychische und partnerschaftliche Ursachen haben. Es wäre deshalb zu einfach, sie automatisch auf Pornografiekonsum zurückzuführen.
Gemeinsam können wir genauer betrachten, welche Zusammenhänge bei Ihnen tatsächlich eine Rolle spielen. Bei körperlichen oder neu aufgetretenen sexuellen Funktionsproblemen kann zusätzlich eine medizinische Abklärung sinnvoll sein.
Warum lässt sich das Verhalten nicht einfach abstellen?
Gerade wenn ein Verhalten negative Folgen hat, entsteht häufig die Frage:
„Warum mache ich das immer wieder, obwohl ich es eigentlich nicht mehr möchte?“
Sexuelles Verhalten kann unterschiedliche Funktionen übernehmen. Es kann beispielsweise mit Lust verbunden sein, aber auch dazu dienen, Anspannung abzubauen, unangenehme Gefühle zu regulieren, Einsamkeit zu überbrücken, sich abzulenken oder für einen Moment aus Belastungen auszusteigen.
Mit der Zeit können daraus eingeübte Abläufe entstehen, die sich zunehmend automatisch anfühlen.
Deshalb reicht der Vorsatz „Ich mache das ab jetzt einfach nicht mehr“ häufig nicht aus.
Es kann hilfreicher sein zu verstehen, wann das Verhalten entsteht, was ihm vorausgeht, welche Funktion es erfüllt und welche anderen Möglichkeiten entwickelt werden können.
Scham macht Veränderung oft schwerer
Über kaum einen Lebensbereich sprechen Menschen so zurückhaltend wie über ihre Sexualität.
Wenn das eigene sexuelle Verhalten als problematisch erlebt wird, kommen häufig Scham, Schuldgefühle und Selbstabwertung hinzu.
Vielleicht haben Sie bislang niemandem erzählt, was Sie beschäftigt. Vielleicht befürchten Sie, verurteilt zu werden. Oder Sie fragen sich selbst, ob mit Ihnen „etwas nicht stimmt“.
In meiner Praxis können Sie über diese Themen sprechen.
Ich bewerte Ihre Sexualität nicht danach, ob sie meinen oder gesellschaftlichen Vorstellungen entspricht. Gleichzeitig können wir problematische Auswirkungen Ihres Verhaltens klar benennen und gemeinsam anschauen.
Verstehen bedeutet nicht, etwas zu verharmlosen. Es kann vielmehr eine Voraussetzung dafür sein, wieder mehr Wahlmöglichkeiten zu entwickeln.
Auswirkungen auf die Partnerschaft
Problematischer Pornografiekonsum oder schwer steuerbares sexuelles Verhalten betrifft häufig nicht nur die Person selbst.
Wenn Verhalten verheimlicht wurde oder Vereinbarungen innerhalb einer Beziehung verletzt wurden, können Vertrauen, Nähe und Sicherheit erheblich beeinträchtigt sein.
Partnerinnen und Partner erleben möglicherweise Verletzung, Wut, Verunsicherung oder die Frage, was das Verhalten über sie selbst und die gemeinsame Sexualität aussagt.
Dann kann es sinnvoll sein, neben der Einzeltherapie auch gemeinsame Gespräche zu führen.
Dabei geht es nicht darum, gegenseitige Kontrolle aufzubauen. Vielmehr können wir gemeinsam betrachten, was geschehen ist, welche Bedeutung es für beide hat und was es braucht, damit wieder Klarheit, Grenzen und gegebenenfalls Vertrauen entstehen können.
Wie ich arbeite
Als Sexualtherapeutin verbinde ich sexualtherapeutische Arbeit mit systemischen und hypnosystemischen Ansätzen.
Gemeinsam können wir beispielsweise betrachten:
- welche Situationen und Gefühle das Verhalten auslösen,
- welche Gewohnheiten und Automatismen entstanden sind,
- welche Bedürfnisse damit verbunden sein könnten,
- wie Sie mit starkem Verlangen und innerer Anspannung umgehen,
- welche Funktion Pornografie oder sexuelles Verhalten für Sie übernommen hat,
- welche alternativen Möglichkeiten der Selbstregulation entwickelt werden können,
- welche Rolle Scham und Selbstabwertung spielen,
- wie sich Ihre Sexualität und Ihre Partnerschaft verändert haben und
- wie wieder mehr bewusste Entscheidungsmöglichkeiten entstehen können.
Je nach Anliegen können neben dem Gespräch auch Körperwahrnehmung, Achtsamkeit, hypnosystemische Methoden und die Arbeit mit unterschiedlichen inneren Anteilen einbezogen werden.
Muss das Ziel völlige Abstinenz sein?
Nicht für jeden Menschen ist dasselbe Ziel sinnvoll.
Es geht nicht darum, Sexualität grundsätzlich einzuschränken oder Pornografie moralisch zu bewerten. Gemeinsam klären wir, was für Sie problematisch geworden ist und welche Veränderung Sie selbst erreichen möchten.
Für manche Menschen kann eine zeitweise oder dauerhafte Abstinenz von bestimmten Verhaltensweisen sinnvoll sein. Für andere geht es eher darum, wieder einen bewussten und selbstbestimmten Umgang mit Sexualität oder Pornografie zu entwickeln.
Das Ziel wird deshalb nicht von außen vorgegeben, sondern gemeinsam und abhängig von Ihrer individuellen Situation entwickelt.
Wieder mehr Wahlfreiheit entwickeln
Sexualität darf lustvoll, vielfältig und lebendig sein.
Wenn sexuelles Verhalten jedoch zunehmend von Automatismen, Kontrollverlust oder Leidensdruck bestimmt wird, kann therapeutische Unterstützung dabei helfen, die zugrunde liegenden Zusammenhänge besser zu verstehen und neue Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.
Dabei geht es nicht darum, einen wichtigen Teil Ihrer Persönlichkeit zu bekämpfen.
Es geht darum, dass Sie wieder mehr entscheiden können, welche Rolle Sexualität und Pornografie in Ihrem Leben spielen sollen.
Termine und Fragen unter 0176-46160104
