Depressive Verstimmung
Wenn das Leben seine Farbe verliert
Es gibt Zeiten, in denen wir traurig, erschöpft oder mutlos sind. Nicht jede Phase der Niedergeschlagenheit ist eine Depression.
Wenn sich jedoch über längere Zeit das Gefühl einstellt, kaum noch Freude zu empfinden, wenig Energie zu haben oder den Zugang zu sich selbst und den eigenen Möglichkeiten zu verlieren, kann therapeutische Unterstützung hilfreich sein.
Vielleicht erleben Sie sich zunehmend zurückgezogen oder antriebslos. Dinge, die Ihnen früher Freude gemacht haben, bedeuten Ihnen weniger. Entscheidungen fallen schwerer, Gedanken kreisen immer wieder um dieselben Themen und der Blick in die Zukunft wird zunehmend pessimistisch.
Manche Menschen beschreiben es als ein Gefühl, wie hinter einer grauen Scheibe zu leben.
Wenn sich der Blick immer stärker verengt
In Phasen depressiver Verstimmung verändert sich häufig nicht nur die Stimmung.
Auch Aufmerksamkeit und Wahrnehmung können sich zunehmend auf das richten, was schwierig ist, nicht gelungen ist oder vermutlich auch in Zukunft nicht gelingen wird.
Gedanken wie
„Ich schaffe das nicht.“
„Es wird sich sowieso nichts ändern.“
„Andere bekommen ihr Leben besser hin als ich.“
oder
„Mit mir stimmt etwas nicht.“
können immer selbstverständlicher erscheinen.
Gleichzeitig geraten Erfahrungen, die diesen Gedanken widersprechen könnten, leichter aus dem Blick: Fähigkeiten, frühere bewältigte Krisen, Beziehungen, schöne Erfahrungen, eigene Stärken und die Vorstellung, dass die Zukunft auch anders aussehen könnte.
Die Idee der „depressiven Trance“
In der hypnotherapeutischen und hypnosystemischen Arbeit wird manchmal das Bild einer „depressiven Trance“ verwendet.
Damit ist nicht gemeint, dass ein depressiver Mensch im üblichen Sinne hypnotisiert wäre.
Das Bild beschreibt vielmehr einen Zustand, in dem Aufmerksamkeit, Denken und Erleben zunehmend eingeengt erscheinen können.
Bestimmte Gedanken, Gefühle und innere Dialoge wiederholen sich. Andere Perspektiven werden schwerer zugänglich. Das Erleben von Unabänderlichkeit, Selbstzweifel und Hoffnungslosigkeit kann immer mehr Raum einnehmen.
Gerade wenn Menschen sehr genau wissen, dass ihre Gedanken ihnen nicht guttun, sie aber trotzdem nicht einfach verändern können, erleben sie dies häufig als besonders belastend.
Hypnosystemisch interessiert mich deshalb die Frage:
Wie kann sich der innere Blick wieder erweitern?
Nicht einfach „positiv denken“
Therapie bedeutet für mich nicht, belastende Gedanken durch möglichst positive Sätze zu ersetzen.
Wer sich niedergeschlagen oder depressiv erlebt, braucht nicht den zusätzlichen Druck, nun auch noch optimistischer denken zu müssen.
Vielmehr geht es zunächst darum, das eigene Erleben ernst zu nehmen und besser zu verstehen.
Was belastet Sie?
Was fehlt Ihnen?
Welche Beziehungen, Lebensbedingungen oder Erfahrungen spielen eine Rolle?
Welche Erwartungen stellen Sie an sich selbst?
Welche inneren Stimmen sind besonders laut geworden?
Und was ist möglicherweise so sehr in den Hintergrund geraten, dass Sie im Moment kaum noch darauf zugreifen können?
Ressourcen wieder zugänglich machen
Ein wichtiger Gedanke meiner therapeutischen Arbeit ist, dass ein Mensch nicht nur aus seinem gegenwärtigen Problem besteht.
Auch in schwierigen Zeiten bleiben Erfahrungen, Fähigkeiten und Ressourcen Teil der eigenen Geschichte – selbst wenn sie im Moment kaum spürbar sind.
Vielleicht gab es Situationen, in denen Sie sich kraftvoller, verbundener oder lebendiger erlebt haben.
Vielleicht besitzen Sie Fähigkeiten, die Sie selbstverständlich finden und deshalb kaum als Stärke wahrnehmen.
Vielleicht gibt es Menschen, Orte, Tätigkeiten oder Erinnerungen, die etwas anderes in Ihnen ansprechen als die gegenwärtige Niedergeschlagenheit.
Therapie kann dabei helfen, solche Erfahrungen wieder wahrnehmbarer und zugänglicher zu machen.
Dabei geht es nicht darum, Belastendes zu überdecken.
Beides darf gleichzeitig wahr sein: das, was im Moment schwer ist – und das, was Ihnen trotzdem zur Verfügung steht.
Innere Anteile verstehen
Manchmal erleben Menschen mit depressiver Verstimmung sehr unterschiedliche Seiten in sich.
Eine Seite möchte sich zurückziehen und in Ruhe gelassen werden.
Eine andere macht Druck:
„Du musst endlich wieder funktionieren.“
Vielleicht gibt es eine sehr kritische Stimme, die kaum etwas gelten lässt. Und gleichzeitig einen leiseren Anteil, der überhaupt dafür gesorgt hat, dass Sie Unterstützung suchen.
Mit Ansätzen aus der Ego-State-Arbeit und Transaktionsanalyse können solche unterschiedlichen inneren Positionen genauer betrachtet werden.
Statt gegen einzelne Seiten anzukämpfen, interessiert mich, welche Funktion sie haben, was sie brauchen und wie wieder mehr innere Kooperation entstehen kann.
Hypnose und hypnosystemische Arbeit
Hypnotische Methoden können – wenn sie zum jeweiligen Menschen und Anliegen passen – Bestandteil der therapeutischen Arbeit sein.
Dabei geht es nicht darum, eine depressive Stimmung „wegzuhypnotisieren“.
In einem Zustand fokussierter Aufmerksamkeit können beispielsweise hilfreiche Erinnerungen, innere Bilder, Körperempfindungen und persönliche Ressourcen stärker in den Vordergrund treten.
Manchmal kann dies dabei unterstützen, neben dem vertrauten problematischen Erleben wieder andere innere Erfahrungen wahrzunehmen.
Auch kleine Veränderungen können bedeutsam sein:
ein Moment von Ruhe,
eine Erinnerung an eigene Stärke,
das Wahrnehmen eines Bedürfnisses,
eine freundlichere innere Stimme
oder die Vorstellung, dass die Zukunft nicht zwangsläufig genauso aussehen muss wie die Gegenwart.
Den Körper wieder wahrnehmen
Depressive Verstimmungen werden nicht nur gedanklich erlebt.
Erschöpfung, Schwere, innere Unruhe, Schlafprobleme, Anspannung oder das Gefühl, vom eigenen Körper kaum noch etwas wahrzunehmen, können dazugehören.
Deshalb kann auch die achtsame Körperwahrnehmung Teil meiner therapeutischen Arbeit sein.
Nicht mit dem Anspruch, dass der Körper sofort anders reagieren muss.
Vielmehr geht es darum, wieder genauer wahrzunehmen, was im Moment da ist – und möglicherweise auch kleine Unterschiede zu entdecken:
Was tut gut?
Wann verändert sich etwas?
Was gibt ein wenig Energie?
Was beruhigt?
Was fühlt sich lebendig an?
Kleine Schritte dürfen genügen
Gerade in einer Phase mit wenig Energie können große Veränderungsziele zusätzlichen Druck erzeugen.
Deshalb muss Therapie nicht mit der Frage beginnen:
„Wie bekomme ich mein ganzes Leben wieder in Ordnung?“
Manchmal ist eine andere Frage hilfreicher:
„Was wäre eine kleine Veränderung, die im Moment möglich ist?“
Ein Gespräch führen.
Wieder Kontakt zu jemandem aufnehmen.
Eine Grenze setzen.
Etwas tun, das früher gutgetan hat.
Eine Entscheidung vertagen.
Oder überhaupt erst wahrnehmen, dass die eigenen Bedürfnisse ebenfalls wichtig sind.
Aus kleinen Veränderungen können weitere Schritte entstehen.
Depressive Verstimmung oder Depression?
Eine depressive Verstimmung kann vorübergehend sein und beispielsweise im Zusammenhang mit belastenden Lebensereignissen, Konflikten, Verlusten oder länger anhaltendem Stress auftreten.
Eine Depression kann dagegen eine behandlungsbedürftige psychische Erkrankung sein.
Anhaltende oder ausgeprägte depressive Beschwerden sollten deshalb fachlich abgeklärt werden. Dies gilt insbesondere bei deutlichem Antriebsverlust, länger bestehender Freudlosigkeit, starken Schlaf- oder Konzentrationsproblemen, ausgeprägter Hoffnungslosigkeit oder einer erheblichen Beeinträchtigung des Alltags.
Je nach Schweregrad kann eine ärztliche, psychiatrische oder weiterführende psychotherapeutische Behandlung erforderlich sein.
Wenn Gedanken entstehen, nicht mehr leben zu wollen
Gedanken an den eigenen Tod, Suizidgedanken oder das Gefühl, nicht mehr weitermachen zu können, sollten immer ernst genommen werden.
Bei akuter Selbstgefährdung ist meine Praxis nicht die richtige Stelle für eine alleinige oder notfallmäßige Versorgung. Bitte wenden Sie sich unmittelbar an den ärztlichen bzw. psychiatrischen Notdienst, eine psychiatrische Klinik oder den Rettungsdienst.
Wieder mehr Möglichkeiten wahrnehmen
Depressive Verstimmung kann das Gefühl erzeugen, dass die gegenwärtige Situation unveränderlich ist.
Therapeutische Arbeit kann einen Raum schaffen, in dem dieses Erleben zunächst sein darf – und gleichzeitig nach und nach wieder andere Erfahrungen und Perspektiven hinzukommen können.
Für mich geht es dabei nicht darum, Ihnen einzureden, dass alles gut ist.
Es geht darum, gemeinsam wieder Zugang zu dem zu finden, was neben dem Schweren ebenfalls zu Ihnen gehört: Erfahrungen, Beziehungen, Fähigkeiten, Bedürfnisse, Ressourcen und die Möglichkeit von Veränderung.
Manchmal beginnt Veränderung nicht mit einem großen Gefühl von Hoffnung.
Manchmal beginnt sie mit der Erfahrung:
Es könnte vielleicht auch noch etwas anderes möglich sein.
Termine und Fragen unter 0176-46160104
