Hypnose bei Schmerzen
Wenn Schmerz immer mehr Raum einnimmt
Schmerz ist zunächst ein wichtiges Signal unseres Körpers. Er macht uns darauf aufmerksam, dass etwas nicht stimmt und schützt uns davor, den Körper weiter zu belasten oder zu verletzen.
Doch Schmerz kann auch bestehen bleiben, obwohl seine ursprüngliche Warnfunktion längst in den Hintergrund getreten ist.
Bei chronischen Schmerzen kann er zunehmend das eigene Leben bestimmen. Bewegung, Schlaf, Arbeit, Freizeit und Beziehungen können beeinträchtigt sein. Manchmal entsteht zusätzlich die Sorge vor dem nächsten Schmerz – und damit ein Kreislauf aus Schmerz, Aufmerksamkeit, Anspannung und Angst.
Hypnose kann eine Möglichkeit sein, die Wahrnehmung und den Umgang mit Schmerzen zu beeinflussen.
Schmerz ist ein persönliches Erleben
Schmerz entsteht nicht ausschließlich dort, wo es im Körper wehtut.
Das Nervensystem verarbeitet körperliche Signale und verbindet sie mit Aufmerksamkeit, Erfahrungen, Erwartungen, Gefühlen und der jeweiligen Situation.
Deshalb können Schmerzen sehr unterschiedlich erlebt werden.
Vielleicht kennen Sie selbst den Unterschied: Ein Schmerz, dem Sie große Aufmerksamkeit schenken, kann sich anders anfühlen als derselbe Schmerz in einem Moment, in dem Sie mit etwas anderem beschäftigt sind.
Das bedeutet nicht, dass Schmerzen „nur im Kopf“ sind.
Schmerz ist real.
Aber wie intensiv, bedrohlich oder beherrschend er erlebt wird, kann von verschiedenen Faktoren beeinflusst werden.
Genau hier kann Hypnose ansetzen.
Wie kann Hypnose das Schmerzerleben beeinflussen?
In hypnotischer Trance wird die Aufmerksamkeit gezielt gelenkt.
Dabei können Körperempfindungen differenzierter wahrgenommen und innere Bilder, Vorstellungen und persönliche Ressourcen einbezogen werden.
Manche Menschen erleben beispielsweise, dass sich eine Empfindung verändert:
von stechend zu dumpf,
von heiß zu kühler,
von eng zu weiter,
von überwältigend zu begrenzter.
Andere profitieren stärker davon, ihre Aufmerksamkeit zeitweise von einem schmerzenden Körperbereich wegzulenken oder einen angenehmen Körperbereich bewusster wahrzunehmen.
Welche Form hilfreich ist, ist individuell.
Das Ziel muss dabei nicht immer Schmerzfreiheit sein.
Schon eine Veränderung von Intensität, Wahrnehmung oder dem persönlichen Umgang mit dem Schmerz kann bedeutsam sein.
Chronische Schmerzen
Chronische Schmerzen können zu einem eigenen Krankheitsgeschehen werden.
Nach Monaten oder Jahren hat sich häufig vieles verändert: Bewegungen werden vorsichtiger, bestimmte Situationen vermieden und der Körper immer genauer beobachtet.
Manche Menschen beginnen bereits beim Gedanken an eine Bewegung zu erwarten:
„Das wird gleich wieder wehtun.“
Diese Erwartung ist nach langer Schmerzerfahrung nachvollziehbar.
Gleichzeitig können Angst, Anspannung und die ständige Aufmerksamkeit auf den Schmerz das Erleben zusätzlich beeinflussen.
Hypnosystemische Arbeit kann dabei helfen, solche Zusammenhänge wahrzunehmen und wieder mehr Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.
Akute und zu erwartende Schmerzen
Hypnotische Verfahren werden auch im Zusammenhang mit akuten oder vorhersehbaren Schmerzen eingesetzt – beispielsweise ergänzend bei medizinischen oder zahnmedizinischen Behandlungen und anderen körperlich belastenden Situationen.
Dabei geht es nicht darum, notwendige medizinische Schmerzbehandlung grundsätzlich zu ersetzen.
Hypnose kann vielmehr ergänzend genutzt werden, um Aufmerksamkeit, Anspannung, Angst und Schmerzwahrnehmung zu beeinflussen.
Welche Möglichkeiten im konkreten medizinischen Zusammenhang geeignet sind, sollte mit den behandelnden Fachpersonen abgestimmt werden.
Die Angst vor dem Schmerz
Manchmal wird nicht nur der Schmerz selbst belastend, sondern auch die Angst davor.
Wann kommt er wieder?
Wie schlimm wird es diesmal?
Was, wenn ich es nicht aushalte?
Wer wiederholt starke Schmerzen erlebt hat, entwickelt verständlicherweise Erwartungen und Schutzreaktionen.
Dann kann es therapeutisch sinnvoll sein, nicht nur auf den Schmerz zu schauen, sondern auch darauf, was bereits vor dem eigentlichen Schmerz geschieht.
Welche Gedanken entstehen?
Wie verändert sich die Atmung?
Welche Muskeln spannen sich an?
Wohin richtet sich die Aufmerksamkeit?
Hypnose kann dabei unterstützen, solche automatischen Reaktionen bewusster wahrzunehmen und andere Möglichkeiten der Selbstregulation zu entwickeln.
Den Körper nicht zum Gegner machen
Bei lang anhaltenden Schmerzen entsteht manchmal ein schwieriges Verhältnis zum eigenen Körper.
Der Körper enttäuscht, begrenzt oder scheint nicht mehr verlässlich zu sein.
Der verständliche Wunsch lautet dann häufig:
„Der Schmerz muss weg.“
In meiner Arbeit kann es zusätzlich darum gehen, die Beziehung zum eigenen Körper wieder zu erweitern.
Wo im Körper ist es gerade nicht schmerzhaft?
Was fühlt sich angenehm oder neutral an?
Welche Bewegungen sind möglich?
Was gibt Sicherheit?
Welche Signale braucht der Körper vielleicht tatsächlich?
Der Schmerz darf wichtig sein, ohne dass er die gesamte Wahrnehmung des Körpers bestimmen muss.
Selbsthypnose bei Schmerzen
Ein wichtiger Bestandteil kann das Erlernen von Selbsthypnose sein.
Dabei lernen Sie, Ihre Aufmerksamkeit selbstständig zu lenken und individuelle innere Bilder, Körperwahrnehmungen oder Vorstellungen einzusetzen.
Selbsthypnose kann beispielsweise dabei unterstützen,
- Anspannung zu regulieren,
- Aufmerksamkeit gezielt zu verändern,
- angenehme oder neutrale Körperempfindungen stärker wahrzunehmen,
- mit der Angst vor Schmerzen anders umzugehen,
- Ruhe und Erholung zu fördern,
- das Gefühl von Selbstwirksamkeit zu stärken.
So entwickeln Sie Möglichkeiten, die Ihnen auch außerhalb unserer gemeinsamen Sitzungen zur Verfügung stehen.
Schmerzen müssen medizinisch abgeklärt werden
Gerade bei Schmerzen ist mir eine klare Grenze wichtig:
Neu auftretende, ungeklärte oder sich deutlich verändernde Schmerzen gehören zunächst medizinisch abgeklärt.
Schmerz kann eine wichtige Warnfunktion haben. Diese sollte nicht einfach durch hypnotische Methoden überdeckt werden, solange die Ursache unklar ist.
Auch bei chronischen Schmerzen ersetzt Hypnotherapie keine notwendige medizinische Diagnostik oder Behandlung.
Sie kann Bestandteil einer ergänzenden oder multimodalen Schmerzbehandlung sein und mit anderen medizinischen, physiotherapeutischen oder psychotherapeutischen Ansätzen kombiniert werden.
Nicht nur weniger Schmerz – sondern mehr Leben
Bei chronischen Schmerzen richtet sich irgendwann verständlicherweise sehr viel Aufmerksamkeit darauf, wie stark der Schmerz gerade ist.
Therapeutisch kann deshalb neben der Frage
„Wie kann der Schmerz weniger werden?“
noch eine zweite wichtig sein:
„Wie kann das Leben trotz des Schmerzes wieder mehr Raum bekommen?“
Was möchten Sie wieder tun?
Was ist Ihnen wichtig?
Was gibt Ihnen Freude, Verbundenheit oder das Gefühl, selbst gestalten zu können?
Hypnose kann dazu beitragen, Schmerzwahrnehmung, Aufmerksamkeit und Selbstregulation zu beeinflussen und den eigenen Handlungsspielraum zu erweitern.
Nicht mit dem Versprechen, jeden Schmerz beseitigen zu können.
Sondern mit dem Ziel, dass der Schmerz möglicherweise weniger darüber bestimmt, wie Sie sich fühlen und wie Sie Ihr Leben gestalten.
Termine und Fragen unter 0176-46160104
